Kategorie: Museumsblog

Schloss Eutin

Landesherrliche Pracht und ein Paradies für kleine Prinzessinnen und Prinzen

Einst bedeutender Sitz der Herzöge von Oldenburg und als „Weimar des Nordens“ ein geistiges Zentrum Schleswig-Holsteins, verkehrten auf Schloss Eutin so bedeutende Persönlichkeiten, Künstler und Dichter wie Zarin Katharina die Große, Johan Heinrich Wilhelm Tischbein, Ludwig Philipp Strack, Friedrich Gottlieb Klopstock und Johann Heinrich Voß. Noch heute ist das Schloss mit seiner barocken Originalausstattung, dem kunstvollen Stuck und seiner wertvollen Gemäldesammlung ein Spiegel der höfischen Wohn- und Lebenskultur des 18. Jahrhunderts, wie man sie in Schleswig-Holstein nur an diesem Ort erleben kann: prachtvolle Salons und Festsäle, der aufwändig restaurierte Thron der Oldenburger Herzöge, die Schlosskapelle und ein Antependium. Das reich bestickte Altartuch aus dem Jahr 1641 ist in einem eigenen Raum ausgestellt und multimedial erfahrbar.

Die Schlossempore glänzt wahrlich majestätisch.

Schloss Eutin erzählt nicht nur von rund 850 Jahren bewegter Geschichte des Oldenburger Fürstenhauses und seinen weit verzweigten Verbindungen in die europäischen Herrscherhäuser, es präsentiert sich heute als ein lebendiges, interaktives und zeitgemäßes Schlossmuseum für die ganze Familie. So führen ein Film und ein Medienguide in die Bau- und Besitzergeschichte des Schlosses ein und ermöglichen eine individuelle Vertiefung. Vor dem Thron kann ein Hofknicks geübt und im Salon können historische Brettspiele ausprobiert werden. Am besten besucht man gleich eine Führung zu Themen wie „Einen Rundgang durch die Beletage“, „Zu Besuch am Hof des Herzogs“, „Verborgene Räume“ oder „16 Stunden. Weißes Leinen: Aus dem Leben der Dienstboten“. An jedem zweiten Sonnabend im Monat werden zudem von 11 – 13 Uhr Aktionen für „Schlosskinder“ angeboten, die hier auch als kleine Prinzessinnen und Prinzen verkleidet ihren Geburtstag feiern können.

In den Kinderführungen und Geburtstagsangeboten werden Kinder als Prinzen und Prinzessinnen verkleidet spielerisch an die Landes- und Kulturgeschichte herangeführt.

Schloss Eutin ist sehr idyllisch am Eutiner See gelegen, inmitten eines weitläufigen Parks, der als bedeutendstes Gartendenkmal der Aufklärung in Schleswig-Holstein gilt. Ab 1786 ließ Herzog Peter Friedrich Ludwig den vormaligen französischen Terrassengarten nach dem Ideal des englischen Landschaftsgartens umgestalten und noch heute prägen auf einer Fläche von etwa 14 Hektar künstlerisch gestaltete Landschaftsszenen den Schlosspark, in dem es sich nach einem Rundgang im Schloss wunderbar lustwandeln lässt. Hinter dem herrschaftlichen Bereich des Schlossgartens befindet sich der Küchengarten, der ebenfalls unter Herzog Peter Friedrich Ludwig als abgeschirmter Wirtschaftsgartenbereich gestaltet wurde. Er versorgte die fürstliche Tafel mit frischem Obst, Gemüse und Kräutern und vereinte das Nützliche mit dem Schönen. Der Höhepunkt des Küchengartens ist die heute noch erhaltene barocke Orangerie.

Ein Spaziergang durch den Küchengarten lohnt sich immer.

Um all das zu genießen und ganz in das höfische Leben einzutauchen, sollte man sich schon einen ganzen Tag für das Schloss Eutin Zeit nehmen. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt: Im stilvoll eingerichteten Restaurant-Café „Schlossküche“ mit herrlicher Gartenterrasse gibt es vom Frühstück bis zum Abendessen vielzählige kulinarische Erlebnisse.

Adresse

Schloss Eutin
Schloßplatz 5
23701 Eutin

 
 

Raus auf’s Land – Frühlingserwachen im Museum Molfsee

Eine kleine Gemeinde in Schleswig-Holstein, gleich um die Ecke der Landeshauptstadt Kiel, beherbergt einen ganz besonderen Ort voller Schätze der Vergangenheit: das Freilichtmuseum Molfsee. In der Gegenwart wandeln seine Besucher auf den Wegen durch die Geschichte.

Ein von der Frühlingssonne geküsster Tag – und hinein geht es in das Freilichtmuseum Molfsee!
Hier ist der Weg das Ziel. Es geht hindurch die Geschichte des Landlebens in Schleswig-Holstein.
Im Spiegel das Torhaus, im Hintergrund der Beginn der Wanderung an schleswig-holsteinischen Häusern, die mit geöffneten Türen ihre Besucher empfangen.

Mit dem Bus sind es vom Kieler Zentrum nur ca. 15 Minuten bis zur Haltestelle Freilichtmuseum. Hier ausgestiegen befindet sich das Anwesen gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite und schwupp, schon ist man dem Treiben der Stadt entkommen und völlig drin in der entschleunigenden Ruhe und bezaubernden Schönheit des Schleswig-Holsteinischen Landlebens! Nun durch das beeindruckende Torhaus und tief einatmen!

Das Gelände ist wunderbar für einen ausgedehnten Spaziergang vorbei an über 60 historischen Gebäuden, Hofanlagen und Mühlen der verschiedenen Landschaften Schleswig-Holsteins. Wer zu Fuß nicht ganz so fit ist oder sich einfach mal gern zurücklehnen möchte, um das Museumsgrundstück im Sitzen zu genießen, der lässt sich einfach von der Treckerbahn mitnehmen. So geht es unter anderem durch die Probstei, Dithmarschen, Fehmarn und Nordfriesland.

Im Spiegel erscheint die Treckerbahn, die die Besucher bequem über das Museumsgelände befördert.
In Molfsee kann man den Blick weit schweifen lassen und dann: Einfach nur genießen!
Gemächlich fährt sie dahin: Die Treckerbahn im Spiegel.
So sieht ländliche Idylle aus!

Die Gebäude stehen den Besuchern offen. Und je nach Interesse, Lust und Zeit dürfen diese betreten und erkundet werden. Jedes Haus ist individuell und der vergangenen Zeit entsprechend eingerichtet. Wie es einst war, befinden sich hier Mobiliar, Hausrat und Arbeitsgeräte – liebevoll und mit einem Auge fürs Detail arrangiert.

Zu einer der schönsten Aussichten in Molfsee zählt die auf die Holländermühle. Über die freie Wiese bestimmt das beeindruckende Gebäude das Bild zwischen den Landschaften Eiderstedt und Nordfriesland. Und kommt man mit dem Zug aus dem Süden nach Kiel gefahren, ist es oft genau diese Mühle, die einem die baldige Ankunft in der Landeshauptstadt signalisiert (und mich jedes Mal freudig stimmt).

Welch schöne Aussicht vor grünem Rasen: Die Holländermühle ganz klein im Spiegel.

Weite, Wind und Wiesen sowie Gärten, Felder und Teiche in Kombination mit den hübschen Häusern machen einen Ausflug nach Molfsee zu einem wunderschönen Erlebnis zwischen Drinnen und Draußen, zwischen Heute und Gestern, zwischen Erholung und Horizonterweiterung.

Und zwischendurch setzt man sich auf eine Bank, genießt den Blick in die Ferne, horcht dem Wind und den Vögeln und freut sich über diesen ganz besonderen Ort, der Schleswig-Holstein so wunderbar zusammenfasst!

Die Eiderstedter Hofanlage neben Kiels Fernsehturm in der Ferne gespiegelt. Kiel ist zwar in Sichtweite, aber der Trubel der Stadt kommt hier nicht an!
Auch das Haus des Walfängers lädt zum Besuch ein – zuvor geht es durch ein Gartentor der etwas anderen Art: zwei Walfischzähne begrüßen den Besucher.
Aus dem Dunkel des Hofhauses ins helle Nordfriesland gespiegelt.
Leuchtende Farben an Tür und Fachwerk.

Und jedes Mal, abhängig von Wetter und Jahreszeit, präsentiert sich Molfsee anders. Gärtner- und Herbstmarkt und Handwerksvorführungen sind wiederkehrende Ereignisse, die ganze Familien jedes Jahr aufs Neue auf das grüne Anwesen locken. Große und kleine Kinder können sich auf dem Spielplatz austoben und in historischen Karussells ihre Runden drehen.

Bei meinem Besuch konnten die herrlichen Gärten noch nicht mit ihrer Farbenpracht auftrumpfen – aber wenn es erst einmal beginnt zu blühen, ist Molfsee noch schöner, als es bei diesem Frühlingserwachen bereits ist. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Zeit!

Hofhäuser auf den Tisch gespiegelt.
Fischerhaus im Spiegel vor hübscher Seekulisse.

Mein persönlicher Lieblingsplatz mit fantastischer Aussicht war an diesem Tag dieser hier:

Doppelt gespiegelt: Der Blick vom Fischerdorf über den See.

 

Dies ist ein Gastbeitrag von Frau Spiegel, zuerst erschienen am 22. April auf ihrem Blog.

Jahresausstellung "Wanderjahre" im Nolde Museum

Hoch im Norden: Die Nolde Stiftung Seebüll

Ein Museum für den berühmtesten Künstler Schleswig-Holsteins und ein zauberhafter Ort für die ganze Familie.

„Die Farben waren mir ein Glück, es war als ob sie meine Hände liebten“, schreibt Emil Nolde (1867-1956) in seinen Lebenserinnerungen. So ist auch das Nolde Museum in Seebüll ein Fest der Farben: Ein prächtiger Blumengarten - vom Künstler selbst angelegt - farbintensive Malerei und eine moderne, ausgesprochen ästhetische Ausstellungsgestaltung, bei der die kräftigen Farben der Wände in einen spannenden Dialog mit Noldes Werken treten. Nach der langen Anfahrt durch die flache, nordfriesische Landschaft mit ihren endlos grünen Wiesen eine wahre Farbexplosion!

Besucherforum mit Museumsshop, Café und biographischer Ausstellung (Foto: Christian Möller/kultursphäre.sh)

Das Herzstück des Nolde Museums bildet das einstige Wohnhaus des Künstlers mit dem legendären Bildersaal, in dem schon Emil Nolde Sammlern und Museumsdirektoren aus ganz Deutschland seine neuesten Arbeiten präsentierte. Das Gebäude selbst ist schon das erste Exponat: 1927 nach Plänen des Künstlers errichtet, ist es eines der wenigen Bauten Schleswig-Holsteins, die an die Bauhaus-Architektur der 1920er Jahre erinnern. In seinem Inneren gewährt das Wohnhaus noch heute tiefe Einblicke in die private Welt des Emil Nolde. In den ursprünglich erhaltenen Räumen im Erdgeschoß zeugen die Kunst an den Wänden, die Möbel, die Textilien und die Keramiken auf eindrucksvolle Weise vom ganz eigenen Kosmos des Künstlers.

Im zentralen Bildersaal im Obergeschoss und in den weiteren Ausstellungsräumen erschließt sich dann das künstlerische Werk des Malers Emil Nolde, der zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt und für expressive und farbfreudige Gemälde, Aquarelle, Graphiken, Skulpturen, Keramiken und kunstgewerbliche Arbeiten steht. Nolde, der am 7. August 1867 als Emil Hansen geboren wurde, stammt aus dem kleinen Ort Nolde unweit des Museums und wurde durch seine Kindheit und Jugend in einem bäuerlichen Umfeld geprägt. So spricht auch aus vielen seiner Werke eine existenzielle Verbundenheit mit der nordfriesischen Landschaft und ein Zurückgeworfensein auf sich selbst. Einen Gegenpol hierzu bilden seine lebendigen, zuweilen quirligen Großstadtszenen, die in Berlin entstanden, wo er ab 1903 in den Wintermonaten lebte und intensiv am gesellschaftlichen Leben teilnahm. Vor allem aber ist Emil Nolde für seine Blumenstücke bekannt, deren Motive er überwiegend in seinem eigenen Garten in Seebüll fand. Wunderbar ist eine Kinderebene, die sich durch die Texte der gesamten Ausstellung zieht: Hier erklärt der Museums-Hund Baldur Noldes Kunst kindgerecht, spielerisch und humorvoll.

Im modernen, gläsernen Empfangsgebäude wird eine dokumentarische Ausstellung zu Emil Noldes Leben und Werk präsentiert: zu seiner Ausbildung zum Holzschnitzer an der Flensburger Kunstgewerbeschule von Heinrich Sauermann, seinen Lehr- und Wanderjahren in St. Gallen, Karlsruhe, München und Paris, seiner Liebe zu der dänischen Schauspielerin und seiner späteren Ehefrau Ada Vilstrup, seiner Mitgliedschaft in der Künstlergruppe „Die Brücke“, den Sommermonaten auf der dänischen Insel Alsen und den Wintermonaten in Berlin. Emil Noldes Lebensweg zeichnet aber auch ein Künstlerschicksal im Dritten Reich nach. Die Ausstellung und ein 2017 entstandener Film gehen sehr offen, kritisch und sensibel mit Noldes Wirken dieser Zeit um.

Noldes Bildersaal (Foto: Nolde Stiftung Seebüll)

Im Empfangsgebäude befinden sich auch das Restaurant und der Museumsshop mit hochwertigen Angeboten – von der „Nolde-Stofftier-Ziege“ für Kinder über Saatgut und Marmelade aus Noldes Garten bis hin zu zahlreichen Publikationen zum Leben und Werk des Künstlers. An die Terrasse des Restaurants fügt sich ein weiteres Highlight für Kinder: Der zauberhaft gestaltete Museums-Spielplatz.

Der Museums-Hund Baldur erklärt Noldes Kunst kindgerecht (Foto: Dagmar Rösner)

 

Adresse

Nolde Museum
Seebüll 31
25927 Neukirchen