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Allgemein

Die „Stolpersteine SH“ App

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Am heutigen 9. November jährt sich die Reichspogromnacht von 1938 zum 85. Mal. Es war der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps in ganz Deutschland jüdische Geschäfte, Gotteshäuser und andere Einrichtungen in Brand setzten und Jüdinnen und Juden misshandelt, verhaftet und ermordet wurden. Die Judenverfolgung erreicht mit der Reichspogromnacht eine neue Dimension – auch in Norddeutschland. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden ab 1933 hin zu ihrer systematischen Vertreibung und Unterdrückung.

Überall im Land erinnern heute Stolpersteine an das Schicksal der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann und heute als das größte dezentrale Mahnmal der Welt gilt: Stolpersteine finden sich mittlerweile in 30 Ländern. Im Mai 2023 verlegte Demnig in Nürnberg den 100.000 Stolperstein. 820 Stolpersteine gibt es derzeit in Schleswig-Holstein, 270 davon in Kiel, weitere 36 in Rendsburg.

Funktionen der App

Die neue App „Stolpersteine SH“ ermöglicht es nun, die Schicksale und Geschichten der Menschen hinter den Steinen zu erfahren. Nutzerinnen und Nutzer der App können mit der Kamera ihres Mobiltelefons Stolpersteine scannen und so die Biografie des Menschen, an den erinnert wird, abrufen.

Die App arbeitet mit Geolokalisierung und Texterkennung. Auf einer digitalen Karte zeigt sie an, wo Stolpersteine verlegt sind und wie groß die Entfernung vom eigenen Standort zu den Steinen ist. Befinden sich Nutzer: innen direkt am Stolperstein und scannen diesen per Smartphone-Kamera, werden auf dem Kamerabild Informationen in Textform zu der Person angezeigt, die an diesem Ort gelebt oder gewirkt hat.
Die Stolperstein-App beantwortet Fragen wie: Was waren das für Menschen, die hier gelebt haben? Hatten sie vielleicht Kinder? Was haben sie beruflich gemacht? So wird aus einem bloßen Namen ein Schicksal, ein ganzes Leben.

Zudem enthält die App eine Gedenkfunktion. Mit Hilfe von Augmented Reality (AR) kann eine Kerze am Stolperstein platziert werden und mit einer Gedenkbotschaft und dem eigenen Namen ergänzt werden. Andere Nutzerinnen und Nutzer der App können diese Kerzen dann auf ihrem Mobiltelefon sehen. Die Kerzen verbleiben für einen Zeitraum von sieben Tagen in der virtuellen Realität.

Digitale Erinnerungskultur

Diese Augmented Reality sei ein Ansatz, dass man eben nicht nur etwas lesen, sondern dass man auch eine virtuelle Gedenkkerze hinterlassen könne, sagte der Landesbeauftragte für politische Bildung, Christian Meyer-Heidemann im NDR Fernsehen. „Die App ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer digitalen Erinnerungskultur. Besonders die Möglichkeit, über eine virtuelle Gedenkkerze Anteil zu nehmen, stärkt die Auseinandersetzung mit den Stolpersteinen und den Biographien der Opfer des Nationalsozialismus“, so der Landesbeauftragte bei der Präsentation.

„Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten, ist unser aller Aufgabe. Mit der Stolpersteine-App haben wir eine digitale Lösung geschaffen, diese besondere Form der Erinnerungskultur lebendiger zu machen. Die App macht es möglich, sich über das Leben der Menschen zu informieren, und schafft so eine neue Form des Gedenkens“, sagt Silke Tessmann-Storch, Vorständin von Dataport.

Zudem sei eine digitale Lösung ein nachhaltigerer Weg über das Projekt zu informieren als beispielsweise Flyer, die im ersten Regen unleserlich würden. „Eine App fliegt nicht weg“, sagte Lars Mischak, Leiter der Abteilung Kultur und Wissenschaft bei Dataport, den Kieler Nachrichten.

Die App enthält zunächst alle Stolpersteine in den Städten Kiel und Rendsburg. Eine Ausweitung auf ganz Schleswig-Holstein ist geplant. Christian Meyer-Heidemann: “Wir wollen alle Stolpersteine in Schleswig-Holstein in die App aufnehmen. Lokale Initiativen, die sich vor Ort um die Verlegung der Stolpersteine gekümmert haben, können sich dafür ab sofort bei uns melden.“

Die App ist ein Projekt des Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein, die Umsetzung erfolgte durch unseren Kooperationspartners Dataport. Die App gibt es im Apple App Store und im Google Play Store.

Bildquelle: Nils Quentel/Landesbeauftragter für politische Bildung